Rosé – ja, bitte, und viel!

Nach unserem Beitrag zu Weisswein wird’s nun eine Stufe dunkler und wir widmen uns dem Rosé. Wie wird Rosé gemacht, warum und wieviele? Nun, eines schicke ich voraus, meine Teebeutel-Metapher wird diesmal etwas strapaziert, aber ich hab bisher keine bessere finden können. Falls du eine bessere kennst, fühl dich frei sie mir mitzuteilen.

Ist Rosé nur eine Mischung aus Weiss und Rot?

Grundsätzlich nein, aber ab und zu auch ja. Wie so oft im Wein gibt es für fast alles eine Ausnahme. In der Regel wird Rosé jedoch nicht gemischt. Rote Trauben werden in einer Maische vergoren, wie eigentlich für einen Rotwein. Dabei wird die Maischezeit stark reduziert. Während für einen Rotwein die Traubenhäute  und –kerne während der gesamten Fermentation in der Maische bleiben, wird für einen Rosé teilweise schon nach wenigen Stunden der gärende Most vom Trester getrennt und anschliessend separat zu Ende vergoren.
Man lässt den Teebeutel also einfach weniger lang im Teewasser ziehen. Dadurch erhält man einen Wein mit weniger Pigmentstoffen, mehr Frische und weniger Tannin. Man erhält am Schluss ähnliche Fruchtaromen in einem Wein, der bedeutend süffiger und aufgrund der geringen Tannine erheblich einfacher mit Speisen zu kombinieren ist.
Die vermutlich bekannteste Ausnahme zum üblichen Prozess ist Champagner. Dieser wird häufig aus einem Verschnitt von Weiss- und Rotweinen hergestellt.

Tradition und Moderne

Schon im Mittelalter wurden Rotweine bedeutend heller gekeltert, so dass sie sich eher mit einem dunklen Rosé vergleichen liessen. Das bekannteste, auch noch heute getrunkene Beispiel ist der Clairet aus dem Bordeaux.
In Regionen, wo überwiegend dunkle Rebsorten angebaut wurden, man aber auf einen frischen Wein nicht verzichten möchte, haben Roséweine eher Tradition. Besonders bekannt ist allen voran die Provence und noch besonderer die kleine Region Tavel.
Doch ist es dem aktuellen Boom zu verdanken, dass auch in anderen Regionen neuerdings Rosé hergestellt wird. So wird seit ein paar Jahren auch in Italien vermehrt Rosé hergestellt. Ganz neu, genauer seit 2021, ist beispielsweise nun auch Prosecco als Rosé zugelassen.

Die Gegend macht den Namen

Je nach Region kann es sein, dass du auf andere Bezeichnungen triffst, wie bspw. Weissherbst. Ein Begriff, der in Deutschland gebraucht wird und hier für etwas hellere Rosés und minimal für Qualitäts- und Prädikatsweine steht – also keineswegs reine rosa Plörre.
Eine weitere Spielart ist der Schiller, für den rote und weisse Trauben gemeinsam gelesen und gekeltert werden.
Mit dem grösseren Bedarf an Rosés lassen sich unterdessen vermehrt auch Saignée-Weine finden. Saignée ist eine besondere Kategorie Rosé, denn hierbei handelt es sich eben nicht um den Abzug der Maische, sondern eines Teils des Mosts. Bei der Produktion eines Rotweins wird während der Gärung ein Teil des Mosts abgezwackt, eigentlich um dem Rotwein mehr Kraft zu geben. So als würdest du einen Teil des Teewassers abgiessen, aber den immer noch gleich grossen Teebeutel drin lassen. Die Saignée ist eigentlich ein Wein aus dem abgezwackten Teewasser. Das mag nicht besonders verlockend klingen, allerdings kommt man so an Säfte ran, die nicht selten von Toplagen sein können, aber zu einem günstigeren Preis.

So viel Platz unter dem rosa Regenbogen

Dass ein Rosé nicht viel kosten darf, ist eine Annahme, mit der man sich zahlreicher spannender Weinerlebnisse berauben kann. Mit der grösseren Nachfrage haben Winzer nun die Möglichkeit, auch komplexere Verfahren zu nutzen und Weine mit einem edleren Ausbau zu versehen, wie der Reifung in Barriques usw. Das trifft auf die Herstellungstechniken, die Farbe, aber eben auch auf die Qualitäten zu. Die Preise können daher auch mal höher ausfallen.
Belohnt wird man mit charaktervollen Weinen, die auch im Herbst und Winter sehr spannend sein können.
Fertig sind die Zeiten des schnöden „Mädchensuff“-Weins, der in einer eher platten und sehr schmalen Sensorik von Erdbeermatsch und Himbeerdüftchen daherkam. Nicht, dass das Aroma von Erdbeeren schlecht wäre, aber Rosés galten häufig als reine Massenware, ohne Liebe aus einem Stahleuter in Flaschen gedrückt.
Diese Rosés gibt es bestimmt – leider – immer noch, aber die Alternativen sind heute bedeutend einfacher und in erfreulich komplexerer Aromatik zu finden.
Das Naserümpfen im Angesicht eines rosa Weins ist also immer weniger erlaubt.